OLIVER GATZKE IM GESPRÄCH

DIE GLÄSERNE BANK.

 

Die Regulierungsanforderungen haben sich für Banken nach der Finanzkrise deutlich verschärft. Was heißt das für die Steuerung unserer Bank?

Oliver Gatzke:  Ein wesentlicher Unterschied ist, dass wir nun Ertrag, Kosten, Risiko, Liquidität und Kapital nicht mehr getrennt voneinander betrachten und managen. Heutzutage gibt es einen integrierten Steuerungsansatz. Wir haben eine einheitliche Sicht auf alle Finanz-, Risiko- und Geschäftsdaten. Das erfordert zwar einen erheblichen Aufwand, dafür entsteht aber auch eine deutlich größere Transparenz. Damit entsprechen wir unseren eigenen Steuerungsanforderungen sowie den Anforderungen der nationalen und europäischen Aufsichtsbehörden. So soll verhindert werden, dass sich das wiederholt, was in der Finanzmarktkrise geschehen ist: Damals waren die Finanz­institute unter Stressbedingungen nur bedingt in der Lage, ihre Risikopositionen angemessen zu managen.

 

Was bedeutet dieser Steuerungsansatz konkret?

Oliver Gatzke:  Wir arbeiten nach dem Prinzip der „gläsernen Bank“. Das heißt: Wir entsprechen den Managementanforderungen sowie den vielfältigen Regulierungsanforderungen der Europäischen Zentralbank und der nationalen Aufsichtsbehörden aus einer einzigen zentralen Datenplattform heraus. Das ist ein entscheidender Punkt, denn damit können wir alle Prozesse aus einer Hand steuern. Diese Arbeitsweise verbindet die gesamte IT mit der strategischen Steuerung, der Geschäftsabbildung, der Bilanzierung und dem Meldewesen unserer Bank. Praktisch bedeutet das: Wir können Finanz- oder Risikozahlen etwa über Eigenkapital, Liquidität oder die Asset-Qualität praktisch in Echtzeit beschaffen und in vielen Fällen automatisiert, schnell und transparent an das Management sowie die Aufsichtsbehörden weiterleiten.

 

Bieten die Veränderungen bei der Banksteuerung Chancen für unser Haus?

Oliver Gatzke:  Ja, denn wir gewinnen nicht nur an Transparenz, sondern auch an Geschwindigkeit. Und: Diese integrierte Sicht liefert eine erheblich bessere Entscheidungsgrundlage. Damit trägt sie zu langfristig tragfähigen und vorausschauenden Lösungen bei.

 

Warum ist gerade im Bankgeschäft die Daten­beschaffung und -aufbereitung so komplex?

Oliver Gatzke:  Das liegt daran, dass Banken drei Steuerungskreise im Auge haben. Zum einen die Daten des externen Rechnungswesens für die Bilanz und die Aufstellung der Gewinn- und Verlustrechnung. Zum anderen berichten wir intensiv über die Unternehmensbereiche, Kundenbeziehungen und Einzelgeschäfte, die durch das interne Rechnungswesen gesteuert werden. Und schließlich gibt es die aufsichtsrechtliche Sicht auf das Risiko und damit einhergehend die Liquiditäts- und die Kapitalposition. Aus allen Steuerungskreisen müssen Daten ineinander überführt werden. Das gelingt am besten, wenn alle Kreise sich aus einer Datenplattform speisen – so wie es bei uns der Fall ist.