STEFAN ERMISCH IM GESPRÄCH

ZIELE ERREICHT. WEITERMACHEN.

 

Die HSH Nordbank hat das Jahr 2016 mit einem Konzerngewinn von 121 Millionen Euro abgeschlossen. Wie bewerten Sie das Jahr?

Stefan Ermisch: 2016 war ein gutes Jahr für die Bank. Das liegt aber nicht nur daran, dass wir mit unserem Ergebnis insgesamt zufrieden sein können. Fast noch wichtiger ist, dass es uns gelungen ist, die Bank insgesamt schlagkräftiger und wettbewerbsfähiger zu machen.

 

Was heißt das konkret?

Stefan Ermisch: Eine Bank muss heutzutage effizient, schnell, sauber und kostengünstig arbeiten. Daran arbeiten wir seit Jahren, das ist ein fortlaufender Prozess. Wer da nicht dranbleibt, scheidet aus. In unserer Branche ist die Konkurrenz sehr hart. Permanente Verbesserung und Wandel sind deshalb Grundvoraussetzungen für Erfolg. Gleichzeitig haben wir gezeigt, dass sich unsere Kernbank in einem schwer umkämpften Markt exzellent behaupten kann. Das gilt nicht nur für unsere norddeutsche Heimat­region, sondern auch darüber hinaus. Das ist eine wichtige Botschaft, die sich am Ergebnis ablesen lässt: Unsere Kernbank hat 2016 ein Vorsteuerergebnis von 639 Millionen Euro erzielt. Dieses gute Ergebnis war nur möglich, weil die Kolleginnen und Kollegen sehr engagiert zu Werke gegangen sind. Insgesamt haben wir 2016 das Fundament für langfristigen Erfolg gelegt.

 

Wie lief das Neugeschäft?

Stefan Ermisch: Insgesamt haben wir Neugeschäft mit einem Volumen von 8,9 Milliarden Euro abgeschlossen, damit liegen wir auf dem starken Vorjahresniveau – erzielt allerdings mit einer kleineren Mannschaft. Das Bestandsvolumen in der Kernbank ist 2016 etwa konstant geblieben: Der Bereich Unternehmenskunden liegt bei 14,2, Immobilienkunden bei 12,5 und Shipping bei sieben Milliarden Euro.

 

Wie wirkt sich die Konzentration auf Fokusbranchen auf das Neugeschäft aus?

Stefan Ermisch: Durchweg positiv. In vielen Bereichen haben wir unsere Position im Markt weiter ausgebaut beziehungsweise gefestigt. Im Immobilienbereich haben wir mit einem Neugeschäftsvolumen von 4,6 Milliarden Euro das starke Vorjahr sogar noch leicht übertroffen, hier gehören wir zu den Top 3 in Deutschland. Im Bereich Unternehmenskunden haben wir das Neugeschäft um 20 Prozent auf 3,8 Milliarden Euro gesteigert. Bei erneuerbaren Energien sind wir unter den Top 5 in Europa, unser Neugeschäft lag hier 2016 bei weit über 1 Milliarde Euro.

 

Im Mai 2016 kam die finale Entscheidung der EU im Beihilfeverfahren. Ein Eigentümerwechsel ist bis Ende Februar 2018 vorgesehen. Was bedeutet das für die Bank?

Stefan Ermisch: Wir begreifen diese große Veränderung als Chance. Der Bankensektor ist in einem fundamentalen Wandel begriffen. Die Branche muss nicht nur mit strengen regulatorischen Vorschriften umgehen, sondern auch mit einem belastenden Niedrigzinsumfeld. Gleichzeitig geht es darum, klassische Geschäftsmodelle in die digitale Welt zu übertragen. Neue Eigentümer werden sich in diesem Umfeld bietende Chancen erkennen und diese mutig nutzen. Dazu können sie sich mit der HSH eine exzellent organisierte, bestens am Markt eingeführte Bank zu eigen machen. Aber nur zum Verständnis: Gesteuert wird der für 2018 geplante Verkauf von den Ländern Hamburg und Schleswig-Holstein. Wir als Bank unterstützen sie dabei natürlich nach Kräften.

 

Soll die Bank als Ganzes verkauft werden?

Stefan Ermisch:  Das ist das Ziel. Allerdings können sich auch Konsortien bilden.

 

Wer könnte sich für die HSH Nordbank interessieren?

Stefan Ermisch:  Derzeit gibt es die Möglichkeit, eine gut aufgestellte Geschäftsbank in einer wirtschaftlich starken Region in einem wirtschaftlich starken Land zu erwerben. Diese Bank hat Zukunft und Wachstumsperspektiven. Natürlich gucken Investoren da sehr genau hin, denn so ein Angebot gibt es selten. Für uns gilt: nicht im Tages­geschäft nachlassen – im Gegenteil. Wir müssen weiter am Markt und beim Kunden unsere Leistungsversprechen täglich einlösen. Das werden wir auch. Die Kolleginnen und Kollegen haben immer gezeigt, dass sie in turbulenten Zeiten nicht nur den notwendigen Überblick bewahren, sondern zu Höchstform auflaufen. Wir stehen für die Fähigkeit, neue Herausforderungen immer wieder erfolgreich zu bewältigen.

 

Die Kernbank ist profitabel, aber die neuen Eigentümer müssen auch mit der Abbaubank umgehen.

Stefan Ermisch:  Das stimmt. Selbst wenn wir bei der Reduzierung der Altlasten wirklich gute Fortschritte erzielt haben – die Fehler der Vergangenheit bis 2009 wiegen weiterhin sehr schwer, vor allem weil die Schifffahrtsbranche seitdem eine historische Krise durchläuft. Zudem gibt die Garantie, die ebenso aus dem Jahr 2009 stammt, sehr enge Grenzen ökonomischer Handlungsmöglichkeiten vor. Beides belastet. Die gesamte Shipping-Branche ist schwer erschüttert. Das trifft uns – wie alle in der Schifffahrt engagierten Banken – sehr hart. Auf den Punkt gebracht: In der Abbaubank sind die Fehler der Vergangenheit gebündelt, und zwar in Form von leistungsgestörten Krediten, die auch aufgrund der Garantie bis heute nur unzureichend reduziert werden konnten. Das ist nicht schön, aber dennoch sind alle Beteiligten in der Pflicht, für diese Probleme im Laufe der Privatisierung eine gute Lösung zu finden. Das wissen wir, das wissen die Eigentümer, das weiß die EU-Kommission und auch die Europäische Zentralbank.

 

Gibt es Interessenten für leistungsgestörte Kredite?

Stefan Ermisch:  Ja, das sind Investoren, die sich auf die Verwertung kritischer Portfolios spezialisiert haben. Die gehen Risiken ein und versprechen sich interessante Renditen. Angesichts des komplett am Boden liegenden Shipping-Markts könnte es jetzt ein guter Zeitpunkt sein, dort einzusteigen. Allerdings haben diese Investoren gewisse Preisvorstellungen. Hier wird es darauf ankommen, einen für alle Beteiligten ökonomisch gangbaren Weg zu finden. Jeder wird an seine Grenzen gehen müssen, um ein gutes Ergebnis zu erreichen. Ich bin optimistisch, dass das gelingt.